Frittenbude war in Graz! :D

Fritti 5.JPG

Laut der allbekannten Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt es zwei mögliche Bedeutungen für die deutsche Wortkreation Frittenbude: Einerseits wird darunter ein Verkaufsstand für meist fettige Mahlzeiten, insbesondere Fritten, und Getränke – alias Imbisstand – verstanden, andererseits nennt sich eine deutsche Electro-Punk-Gruppe aus Bayern lebend in Deutschlands Hauptstadt Berlin Frittenbude. Am Samstag dem 6. Februar war die Band Frittenbude im Grazer PPC zu Gast und hat vor ausverkauftem Haus eine großartige Acid-Rave-Party inszeniert.

„…für mich soll’s heute Acid regnen, mir soll’n sämtliche Wunder begegnen…“

Frittenbude sind für ihren harten Techno und eskalierenden Rave, durchzogen von Sprechgesang-Elementen, bekannt. Das neue Album Küken des Orion macht es seinem Vorgänger Delfinarium gleich und wirkt gegenüber den älteren Scheiben etwas ruhiger und nachdenklicher, sodass man manchmal beinahe den Eindruck hat, die Musiker wären erwachsen geworden und IMAG5092_1_1stehen von nun an eher auf leisere dafür inhaltlich anspruchsvollere Sachen – so auch meine Erwartungen an das Konzert. Aber, wie durch Zufall, wurde durch ältere Songs wie Ein Affentanz oder Hildegard, auch bekannt als Hommage an das Fräulein Knef, und längeren Techno-Beat-Einlagen dennoch ein ausgelassener, wilder und spürbarer Techno-Rave-Flair evoziert, der die Menge beachtlich aufheizte und in Stimmung brachte.

Neu in der Army of Küken waren ein Keyboarder und ein Schlagzeuger, die Frittenbude bei ihrer musikalischen Glanzleistung unterstützten, sprich der PC war nicht mehr ihr einziger Live-Show-Kumpane.

„…für’s Nazi- und Faschistenpack gibt’s Hass, Hass, Hass…“

Fritti 7.JPGJohannes Rögner, der Sänger und Sprechgesang-Künstler der Band, spielte mit offenen Karten und legte durchaus klare Ansagen auf den Tisch – links ist und bleibt, so Frittenbude, der einzige Weg. Durch den Song Deutschland 500, der gemeinsam mit der Band Egotronic produziert wurde, verdeutlichte sich Frittenbudes politisches Statement immer mehr und spätestens nach dem Sprechchor „Alerta, Alerta Antifascista!“ war wohl jedem klar, wie Frittenbude und so auch der Großteil ihrer Fans ticken.

„Ah ja, da gibt es ja noch das „andere“ Links, aber das ist ja gar keine Alternative. Faschismus ist absolut nicht, nicht, nicht gut. Das geht gar nicht!“, so Phillip Dübell, Frittenbudes Keyboarder für die Österreich-Shows, nach dem Konzert auf die Frage, ob es denn neben der politischen Einstellung Links noch eine Alternative gibt.

„…ich kauf’ der Frau, die ich lieb’, ein Shirt von Audiolith…“

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass sich Frittenbude PicsArt_02-08-08.11.42weigern würde den Song Bilder mit Katze zu spielen, da er den Kauf eines Audiolith-Shirts bestärken und damit den Kommerz und Kapitalismus fördern würde. Ich habe Frittenbude vor diesem Konzert bereits zweimal auf dem FM4 Frequency Festival live gesehen und, stellt euch vor, sie haben den, ich trau’s mich fast sagen, bekanntesten und definitiv meinigen Lieblingssong beide Male nicht gespielt, also bin ich zum Entschluss gekommen, dass die Frittenbude-Kommerz-Kapitalismus-Theorie wohl stimmt. Falsch gedacht! Bei Club-Konzerten spielen sie zu meiner Freude Bilder mit Katze anscheinend doch – zumindest in Graz. Vielleicht konnte man gerade deshalb am Merch-Stand keines dieser T-Shirts erwerben und die Story hat somit doch einen wahren Kern.

Fritti 4

„…Komm, zerleg’ dich, zappel mit! Schmeiß dein Hirn in die Luft bis deine Waffel dampft. Tu, was du nicht lassen kannst!…“

Die Jungs von Frittenbude erschufen durch ihren Musikstil und ihre Bühnenpräsenz eine PicsArt_02-07-12.20.40_1tanzende, feiernde Meute voller Energie, die nicht zu stoppen war und sogar Stage-Diving in einem kleinen Club erlaubte – Obacht, Freunde! Das Konzert gestaltete sich als eine subversive Party mit einem Hauch Hedonismus, in der seltsam tanzen auf einmal völlig Normalste auf der Welt war und man sich einfach gehen und in der Musik fallen lassen konnte.

Eine Frage konnte mir die heilige, allwissende Wikipedia-Page dennoch nicht beantworten, nämlich: Wie würden sich Frittenbude wohl in Österreich nennen? Johannes Rögner hatte für mich sofort eine Antwort parat: „Wurstkuchl“! 😀

Guad! In dem Sinne, Frittibiddi alias Wurtskuchl, ihr wart sehr lövly, Grazi bedankt sich!

*Anm.: Besten Dank an Audiolith für die Ermöglichung!
**Text und Fotos (c) Clarissa Berner

Hinterlasse einen Kommentar