Gladiatoah Alligatoah auf Erkundungstour durch die Provinzen.

Seit Ende Februar ist der deutsche Rapper Alligatoah im Rahmen seiner Himmelfahrtskommando-Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs, um sein neues Album Musik ist keine Lösung vorzustellen. Am Samstag, dem 10. März 2016, hat ihn seine Reise in die Grazer Helmut-List-Halle geführt, da ihm das Orpheum, das Platz für 600 Zuschauer Platz bietet, zu klein wurde. Auf Facebook kündete der feine Herr Gatoah – bürgerlich Lukas Strobel – in einem seiner vielen Videos an, Angst und Schrecken zu verbreiten. In Angst und Schrecken hat uns Lukas Strobel zum Glück nicht versetzt, dafür wurde ein großartiges Konzert mit epochaler Bühnenpräsenz zur Schau gestellt.

Bühne

Die Helmut-List-Halle ist die zweitgrößte Location in Graz, bietet eine Kapazität für ungefähr 1.200 Besucher und demnach auch eine große Stage, die bühnenarchitektonisch sehr viel Frei- und Spielraum bietet. Alligatoah und sein Team haben folglich einen Gewinn daraus gezogen und ein pompöses Bühnenbild konstruiert, das den Main-Künstler einen sehr zentralen Platz gewährte. Der Schauspiel-Rapper, stehend in einem von Wolken getragenem Streitwagen, verkörperte einen römischen Reiter – BattleBoi Basti seinen unterlegenen Reisegefährten. Die restliche Band verbildlichte musizierende Engel. Jene Konstruktion ermöglichte, dass Alligatoah auf einer weitaus höheren Ebene, als die anderen Musiker, performen konnte. Dadurch konnte er auch von Fans in den letzten Reihen besser wahrgenommen werden. Das Bühnenbild blieb aber nicht unverändert: ein goldener Ochse ersetzte den Streitwagen und zur Zugabe konnten wir einen bunten Heißluftballon betrachten.
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Konzert

Der Song Narben, ein Hit seines letzten Albums Triebwerke, war der Startschuss für das Konzert. Lass liegen, mein persönlicher Fav der neuen Scheibe Musik ist keine Lösung, war überraschenderweise die Nummer Drei der Playliste. Er leitete ihn mit Grundproblemen, die unsere heutige Zeit immer mehr betreffen, ein – Wälder werden abgeholzt, Meere sind verschmutzt. Eine Kritik an die Wegwerfgesellschaft. Geil, dass gesellschaftskritische Musik nicht immer Wanderklampfen-Mist ist. Ungefähr nach der Hälfte des Gigs stellte Alligatoah seine Band vor, in dem er zu jedem Musiker ging, und mit ihm den Refrain einer seiner Hits performte. Die Blockflöte, so Alligatoah, beherrschte er schon in frühsten Schulzeiten – Dicks sucken, Trailerpark. Anschließend wurde uns ein weiterer Trailerpark-Song präsentiert – Bleib in der Schule. Lukas Strobel hatte dadurch die Möglichkeit, sowohl die Bandmitglieder vorzustellen als auch eine Reihe seiner erfolgreichsten Songs anzuspielen – gute Idee, eigentlich! Vor der Zugabe hat der Herr uns schlussendlich wissen lassen, dass Graz nur der Trostpreis ist und die Zugabe wurde von Willst du geziert. Der Song, der ihn, meines Erachtens, überhaupt erst zu diesem Ruhm geführt hat.

Location und Catering

Das von Eckstein organisierte Catering war wohl nicht auf den Trinkkonsum der Fans vorbereitet – nach ¾ des Konzerts ging das überteuerte Bier aus! Veranstaltungstechnisch war es außerdem keine Glanzleistung, dass man sich 20 Minuten für ein Kaltgetränk seiner Wahl anstellen musste. Gute Location – weniger gutes Catering. Das sollte für die zukünftigen Konzerte wohl besser überdacht werden.

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Zugabe!

Trotzdem hab’ ich mir das Konzert durch die fehlende Gastro-Professionalität nicht vermiesen lassen. Alligatoah hat Humor sowie künstlerisches Können und lieferte eine perfekt einstudierte Show, bei der keiner seiner Hits gefehlt hat – ein Muss für jeden Fan und Konzertgänger! Alligatoah hat mich im Übrigen an den Sonnengott Sol aus der römischen Mythologie erinnert. Ob er diese Figur darstellen will, ist mir unklar, bestätigen kann ich jedoch, dass für die Fans bei seinen Auftritten die Sonne aufgeht.

*Anm.: Besten Dank an das Management für die problemlose Ermöglichung!
**Fotos und Text (c) Clarissa Berner

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