Prinz Pi und die „Im Westen Nix Neues“ Tour 2016

Am 5. Februar 2016 erschien Prinz Pis neue Scheibe Im Westen Nix Neues und wird im Rahmen der noch fortlaufenden Tour durch die größeren Städte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz präsentiert. Am 26. Februar 2016 war er in Wien zu Gast.

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(c) Clarissa Berner

Wenn man an Prinz Pi denkt, mag man vielleicht aufgrund seiner tiefsinnigen Lyrics der Ansicht sein, dass seine Live-Shows in einer Massen-Melancholie bzw. Depression münden würden, aber eines kann ich euch jetzt schon spoilern: Alles außer das – depressiv war hier gar nix!  Am Samstag dem 26. März 2016 gastierte Friedrich Kautz alias Prinz Pi in der Wiener Location Arena. Der Berliner Rapper ist für seine Texte, die sich vor allem mit sozialkritischen Themen, teilweise Verschwörungstheorien sowie gesellschaftliches Trends beschäftigen, bekannt. Das Album Kompass ohne Norden aus dem Jahre 2013 erreichte sogar den Goldstatus.

Bühne(npräsenz) & Location

Die Große Halle in der Arena wird ihrer Betitelung im Grunde nicht wirklich gerecht, denn sie ist eine der kleineren Locations in Wien. Demnach bietet sie gleicherweise eine nicht ganz so große Bühne, sprich wenig Spielraum. Vor den Fans erstreckte sich jedoch eine monumentale Konstruktion bestehend aus verschiedenen, höheren und tieferen Ebenen. Sie begünstigte, dass die Bandmitglieder sogar unter- beziehungsweise übereinanderstehen konnten. Dadurch hatte Prinz Pi viel Freiraum und so gut wie die ganze Fläche der Bühne für sich alleine, was sich während dem Auftritt als hilfreich erwies: Herumspringen und tanzen, ohne jemanden niederzulaufen, war kein Problem.

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(c) Clarissa Berner

Die Flächen waren vielförmig auf verschiedenen Höhen platziert und durch Wände, die mit LEDs geziert waren, getrennt. Auch die Lämpchen taten ihren Job und illustrierten unter anderem sein Label keine Liebe Records, verschiedene Ausschnitte aus Musikvideos, CD-Covers sowie bunte Farbspiele. Aber nicht nur Lichteffekte produzierten eine gute Bühnenpräsenz – Prinz Pi bewegte sich zu dem Beat und bestimmten Songpassagen gezielt und taktvoll. All das machte die Stage vielseitig, effektvoll und durchaus visuell ansehnlich.

Die Show zwischen neuem und altem Material

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(c) Clarissa Berner

An erster Stelle muss erwähnt werden, dass Prinz Pi durch das Album Kompass ohne
Norden
 den wohl größten Teil seines Ruhms erfahren hat. Demnach hat es auch seine Figur geprägt und ein gewisses Bild des Künstlers geformt. Der Rapper produzierte 2013 ein sehr persönliches, gesellschaftskritisches Album, das sich hauptsächlich mit dem Erwachsenwerden befasste – Themen, die nachdenklich stimmen und emotional beeinflussen. Eine Besonderheit, die im (Deutsch-)Rap nur selten beobachtet werden kann. Prinz Pis Musik hat besonders mit Kompass ohne Norden einen stilistischen Wandel erfahren. Das wurde von vielen Fans durchaus negativ kritisiert. Ältere Songs versetzen wohl eher in Partystimmung, denn sie haben mehr Bass und sind Rap-lastiger. Die Songauswahl erlaubte es jedoch, dass die Stimmung der Fans weder in irgendeiner Art und Weise zu traurig, noch zu überdrüber-gehyped und aufgeregt war – sehr angenehmes Klima. Die Mischung macht’s aus.

Das neue Album Im Westen Nix Neues ist nicht mehr ganz so ruhig – es ist vielmehr eine Mischung all seiner Werke. Pi war während dem Konzert daran bemüht, dass beide Seiten – seine neuere wie auch die alte Fangemeinschaft – Gefallen an allen Songs finden. Nach einer Ansprache, dass die neuen und alten Fans heiraten sollen, ertönte der Song Elfenbeinturm.

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(c) Clarissa Berner

Besonders auffallend war die Leidenschaft des Künstlers. Sie war richtiggehend spürbar – bei jedem Song! Diese Hingabe zu den Texten sowie zur Musik war mitreißend und ansteckend. Ich persönlich finde es großartig und schätze es sehr, wenn sich Musiker während ihren Live-Shows, trotz der ständigen Show-Routinen, bemühen und mit vollem Herzen dabei sind, als wäre es der erste Gig der Tour. Prinz Pi hat uns das spüren lassen. Diese Leidenschaft, die bei den eher ruhigen Songs offensichtlich war, mündete bei älteren Party-hard-Songs in ein Gehüpfe, wie man es von Rap-Konzerten kennt – Generation Porno; Gib dem Affen Zucker.

Also, auf was kann man sich bei einem Prinz-Pi-Konzert gefasst machen? Auf jeden Fall auf kein typisches,„abgedroschenes“ Rap-Konzert! Prinz Pi lehrt uns außerdem, dass Probleme zu artikulieren nicht unbedingt peinlich und „unmännlich“ ist, sondern nur menschlich. Musik ist eine der schönsten Ausdrucksformen dafür. Er nimmt sich kein Blatt vor dem Mund und spricht alltägliche Probleme an. Sein Erfolgsrezept? Intelligente Texte, verfeinert mit zu Rap passenden Melodien, die den Stimmungen gleichkommen. Prinz Pi nennt sich selbst den „besten Themen-Rapper“ – er vermittelt klare Botschaften und wird seinem Titel auf jeden Fall gerecht.

*Anm.: Ganz, ganz großes Dankeschön an Prinz Pi für die Ermöglichung!
** Fotos und Text: (c) Clarissa Berner

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