Bosse – ein Wohnzimmerkonzert im Retrostyle

Letzten Freitag, dem 4. März, bat der Hamburger Indiepop-Songwriter Axel Bosse seine Fans in der Grazer Location PPC zum Engtanz. Das neue Album Engtanz des 36-jährigen Musikers erschien am 12. Februar diesen Jahres und erreichte Platz 1 in den Deutschen Charts. Laut Bosse hat sich das Grazer Publikum im Vergleich zum letzten Graz-Konzert verdreifacht – es waren um die 250 Fans zu Gast und der Club war, laut Angaben des Veranstalters, ausverkauft.

Die LocationPicsArt_03-05-05.00.06

Ich muss zugeben, ich war bis dato auf recht vielen Konzerten im PPC, aber rein allein die Tatsache, dass der Merch-Stand in demselben Raum wie die Bühne aufgebaut war, ist mir wirklich noch nie untergekommen. Es gab weder richtige Absperrungen, die die Bühne von den Fans trennt, noch wurden die Stehtische beiseite gestellt. Das alles zusammen hat ein familiäres Feeling erzeugt und den gestrigen Gig zu einem kleinen aber feinen Wohnzimmerkonzert gemacht. Die Bühne selbst war im Retrostyle mit Discokugeln unterschiedlichster Ausführungen und Luftballons geschmückt, was mich, um ehrlich zu sein, ein bisschen an die 80er Jahre erinnerte. Für weitere bühnenarchitektonische Elemente war kein Platz – zugegeben, bei acht auf der Bühne stehenden Musikern ist wohl nicht sehr viel Spielraum vorhanden!

Das Konzert

PicsArt_03-05-05.02.57Aber nicht nur die diesmal etwas andere Location, hat in mir ein Family-Feeling erzeugt, auch Bosse selbst hat es spürbar illustriert. So gut wie zu jedem Musikstück hat er der Audienz eine kleine persönliche Geschichte und Erklärung anvertraut. Auf diesem Weg hat er seinen Fans viel aus seinem Leben preisgegeben – zumindest mehr, als andere Künstler. Beispielsweise erzählte uns Bosse als einleitende Story für den zweiten Song So oder so, dass sein Vater ihn zum letzten Graz-Auftritt begleitet, Gin-Tonic getrunken und sich wie ein kleines Kind gefreut hatte. Selbst dass er Vater ist und eine langjährige Beziehung führt, verheimlichte er uns nicht. Danach folgte das wahrscheinlich bekannteste Lied Schönste Zeit, das von der Anfangszeit seiner Beziehung handelt.

PicsArt_03-05-06.25.41Musikalisch war das Konzert eine Glanzleistung: Die acht Musiker, darunter auch ein Trompeter und ein Kontrabass-Spieler, haben sich perfekt abgesprochen und performten ziemlich gut. Leider sind die Fans auch nur bei zwei, drei Songs wirklich wild abgegangen. Besonders gut hat man es bei dem Song Krumme Symphonie, der eigentlich mit Casper produziert, aber mit irgendeinem „Deichkind-Special-Guest“ performt wurde, beobachten können: Ein Haifisch aus Plastik, den kleine Kinder gerne mal zum Schwimmen mitnehmen, flog durch die Menge und die Crowd tobte. Ansonsten hat sich nur der vollkommen in schwarz gekleidete (pscht… weiße Schuhe :b) Axel Bosse alias Aki Bosse seine Beine schwingen lassen – zu ruhiger, nachdenklicher Musik lässt’s sich wohl schwerer tanzen, als gedacht.

*Anm.: Vielen lieben Dank an das Management von Bosse für die Ermöglichung!
**Fotos und Text: (c) Clarissa Berner

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