Nova Rock ist immer wieder schön.

Die Vorfreude war groß, das Nova Rock Festival findet nur einmal im Jahr statt, also machten wir uns bereits mittwochs in der Früh auf den Weg zu den Pannoniafields II in Nickelsdorf. Um ehrlich zu sein, bin ich noch nie wirklich früh aufgestanden, um zeitig zu einem Festival zu fahren. Diesmal entschieden wir uns jedoch anders, um einen potentiellen Stau zu vermeiden: Ich schlürfte bereits um 04.30 meinen ersten Kaffee (von fünf in zwei Stunden, haha), denn wir planten um 06.00 ins Burgenland zu starten – tatsächlich ging’s erst um 07:00 los, aber was macht schon eine Stunde Verspätung? Früh aufstehen hin oder her – im Endeffekt standen wir trotzdem eine gute Stunde im Stau.

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Abgesehen vom Stau war die Parkplatzsituation dieses Jahr richtig gut gelöst: Securitys haben die Autos binnen weniger Sekunden zu freien Parkplätzen geführt. Vier Stunden später haben wir das Ziel erreicht und standen vor der Bändchen-Ausgabe, die überraschenderweise auch ohne große Probleme ablief – Gruppenkuscheln blieb diesmal aus. Vor dem Eingang hat uns bereits ein Freund erwartet, der zu noch früherer Stunde Zeltplätze reserviert hatte. Die ersten Biere wurden getrunken, Zelte aufgebaut, der Pavillon fixiert und weitere Sachen vom Auto geholt. Mittlerweile regnete es, das Campingareal füllte sich dennoch schnell. Alle Freunde sind gut angekommen und der erste Tag ist besser verlaufen als erwartet.

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Tag 1

Heute standen für mich die Bands Hollywood Undead, Kraftklub und Marilyn Manson auf dem Plan, doch zuerst sind die Duschen unsicher gemacht worden. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber die Duschen sehen jedes Jahr anders aus und unterscheiden sich leider auch in der Qualität. Dieses Jahr waren es definitiv welche der schlechteren Sorte. Der Duschkopf war in fix montiert und für kleine Mädels umständlich erreichbar. Im Endeffekt wäre das nicht wirklich schlimm – wir sind ja auf einem Festival – dass jedoch der Wasserstrahl eine gefühlte Lebenszeit von zehn Sekunden hatte, erschwerte das Duscherlebnis.

Zumindest halb kultiviert machten wir uns nach ein paar Bier auf den Weg zum ersten Konzert von Hollywood Undead. Leider erwartete mich dort schon der nächste „Schicksalsschlag“: Meine Cashless-Karte, auf die ich 100€ geladen habe, funktionierte nicht. Trotzdem widmeten wir zunächst der US-amerikanischen Formation unsere Aufmerksamkeit. Ich kenne von Hollywood Undead drei, vier Songs. Durch eingängige Beats mit einem tiefen Bass konnten die Jungs trotz des Unwissens meine eher triste Stimmung in eine Lust auf Party umpolen. Danach ging es auch schon zur Cashless-Station, um meinem Karten-Problem auf die Schliche zu kommen. Gott sei Dank war das Cashless-Team vor Ort kompetent und konnte uns weiterhelfen – das Ganze hat uns zwar eine gute Stunde gekostet, aber ich hatte mein Geld wieder.

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Kraftklub stellten mein persönliches Highlight da. Die Jungs aus Chemnitz strahlten zu Beginn mit Bengalos und zeigten mit dem Song „Karl-Marx-Stadt“ von wo sie kommen und wer sie sind. Von „Randale“, über „Chemie Chemie Ya“ waren alle Hits dabei, um ein großartiges Konzert in kurzer Zeit über die Bühne zu bringen. Auch der Publikumskontakt fehlte nicht. Im Gegensatz dazu war Marilyn Manson eine Enttäuschung: 1. Heißt es „Hello, Nova Rock“ und nicht „Hello, Vienna“, 2. machte Manson keinen Eindruck Headliner zu sein und 3. gestaltete sich seine Show langweilig – bester Zeitpunkt um zu den Zeltplätzen zu gehen. Die Hosen konnte Manson natürlich nicht ersetzen.

Tag 2

Der zweite Tag war einer der Tage, an denen ich mir viel vorgenommen hatte: Eisbrecher, Anti-Flag, OK KID, Bad Religion, Rise Against und The Prodigy – und ich habe alle von ihnen gesehen. Na gut, sagen wir, fast. Eigentlich sind Festivals extrem nützlich, um neue Bands kennenzulernen. Leider verschlägt es mich nach ein paar Bier immer wieder meinen (Lieblings)Bands, die ich sowieso schon mal live gesehen habe – in dem Fall Anti-Flag anstatt Eisbrecher. Falsch gemacht habe ich jedoch nichts: Die amerikanische Band konnte mit ihrem sympathischen Auftreten und einem soliden Polit-Punk-Konzert überzeugen. Eine Ansprache zu politischen Themen durfte natürlich auch nicht fehlen.

Der nächste Act, auf den ich mich nach einer Pause bei den Zelten freute, war OK KID. Wegen ihrem Song „Stadt ohne Meer“ bin ich schon mal zum Wiener Donauinselfest gefahren. Die aus Deutschland kommende Formation schaffte es, wie gewohnt, ihre eher ruhigen und beruhigenden Songs mit viel Energie zu präsentieren und aussagekräftiger zu gestalten, als sie ohnehin schon sind.

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Langsam dämmerte es und die alten Punker Bad Religion griffen zur Gitarre. Der melodische Punk-Rock ist eingängig, funktioniert immer und verzeiht die ziemlich knappe Interaktion mit den Fans fast. Während ein weitere Punk-Band, nämlich Rise Against, gastierte, nutzten wir das weitere Festivalangebot und schauten uns ein, zwei Songs vom Riesenrad aus an. The Pordigy schloss den Tag glorreich ab und erzeugten mit einer (Gott sei Dank) nicht enden wollenden Show eine absolut gelungenen Schluss. In den Bässen und Remixen konnte man sich richtig fallen und gehen lassen.

Tag 3

Mittlerweile hat mich meine alljährliche Festival-Verkühlung erwischt und macht den Start in den Tag umso schwieriger – Bier ist und bleibt dennoch das Heilmittel für alles (zumindest am Festival) und so therapierte ich einfach mein kleines Wehwehchen gezielt mit Alkohol. So alkoholreich sich der Start in den heutigen Tag gestaltete, so ging er auch weiter, denn die Punk-Rocker Donots und Turbobier standen auf der Bühne und veranstalteten den ersten Punk-Rock-Wandertag. Mit wehenden Fahnen wurde von einem Konzert zum anderen gewandert. Die Donots wirken live immer härter als auf ihren Studioaufnahmen – zu meiner Freude. Neben einer Mischung aus neuen, deutschen und alten, englischen Songs coverten sie auch einen Song von den Toten Hosen mit einem Gruß nach Düsseldorf. Turbobier ergriffen im Anschluss die Chance und machten neben musikalischer Begleitung Werbung für die Bierpartei und Bieristische Glaubensgemeinschaft.

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Nach einem punkigen Mittag machten wir uns wieder auf den Weg zu den Zelten, um Kraft, äh Bier, zu tanken. Bis zum nächsten Konzert, in meinem Fall WIZO, waren es noch gute vier Stunden. Während diesen vier Stunden hat sich herausgestellt, dass ich wohl alleine zum Konzert der deutschen Punkrocker gehen darf. Das hinderte mich absolut nicht daran zu „Raum der Zeit“, „Kopfschuss“, „Pippi Langstrumpf“ und „Die letzte Sau“ zu feiern.

Danach ging es zu Volbeat. Ich habe die Dänen im Oktober in Graz gesehen. Leider hat sich ihre Show seit dem Graz-Gig nicht wirklich verändert. Musikalisch war das Konzert natürlich in Ordnung, aber alles andere hat mich doch nur dazu verleitet, am Rand in der Wiese zu sitzen.

Tag 4

Der letzte Tag auf einem Festival ist immer der anstrengendste. Ich bin an solchen Tagen gerne nüchtern und beginne die ersten Sachen vom Campingplatz zum Auto zu bringen, damit wir am Abreisetag nicht allzu viel tragen müssen. Neben der ganzen Packer- und Tragerei gingen sich trotzdem zwei Konzerte aus: Billy Talent und Iron Maiden. Beide Konzerte haben mich positiv überrascht.

Billy Talent ist eine der Bands, die ich gefühlte 28334092mal live gesehen habe. Zu meiner Freude hat die kanadische Formation den Auftritt abgeändert. Außerdem stand der Drummer Aaron Solowoniuk wieder auf der Bühne – er ist an MS erkrankt und es war ihm für lange Zeit nicht möglich, mit auf Tour zu gehen.

Die Hardrocker Iron Maiden lieferten eine erstaunlich gute Show mit einem vielseitigen Bühnenbild. Ob man nun Hard-Rock mag oder nicht ist eine Sache. Die andere Sache ist, dass die alten Herren wirklich Stimmung erzeugt haben und, im Gegensatz zu allen anderen Bands, ein richtiges Headliner-Feeling erzeugt haben.

Abschließend möchte ich mich
für das schöne
Nova Rock Festival 2018 bedanken. ❤

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*Text und Fotos: (c) Clarissa Berner
** vielen lieben Dank an das Nova Rock Festival für die Ermöglichung! 🙂

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Ein Kommentar zu „Nova Rock ist immer wieder schön.

  1. Iron Maidens erste Platte war noch richtig punkig. Mit dem jetzigen Sänger änderten sie ihren Stil und alles war mehr von der Bass-Gitarre betont und sie setzten Mailensteine und dann kam der Stil-Wechsel und sie wurden mit jedem Album mainstreamiger. Aber der Sänger ist für sein Alter noch sehr sportlich fit und bringt Power rüber. Prodigy ist natürlich der Hammer und immer für alles gut. Ich steh inzwischen mehr auf death metal oder hardcore mit dem Schreien und den tiefen „Teufelsstimmen“. Aber ein Konzert ist immer ein Ereignis, auch wenn Marylin Manson mal nicht so gut aufgelegt ist. Die anderen Bands sind auch ein Ereignis, aber viele kenne ich nur von den Namen her. Immerhin ein paar Tage im Bier- und Musikrausch verbracht, was auch was wert ist. Ich mag keine Menschen, die nie aus sich rausgehen, nie mal über die Grenzen gehen und mal einen heben. Das Leben ist schwer genug und es wäre langweilig ohne solche Höhepunkte wie etwa ein Konzert mit all seinen Vor- und Nachteilen, was Duschen usw. betrifft. Toll ge- und beschrieben. Danke, dass ich Anteil nehmen durfte. Ich wünsch dir noch einen wunderbaren Sommer .. LG PP 🙂

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